Pflicht

Es ist Samstag Nachmittag, wir sind gut gelaunt und auf dem Weg zu meiner Schwägerin. Die Kinder sind gerade eingeschlafen und wir genießen die Ruhe. Die kurze Strecke fahren wir ganz entspannt. Im Gepäck haben wir Grillwurst und Vorfreude auf einen schönen Abend. Wir sind gerne bei meiner Schwägerin im Garten. Die Kinder spielen dort so schön… Und diese Ruhe…. himmlisch.

Die großen Kinder sind fertig mit dem Essen und wollen spielen. Gerne, dachten wir uns alle. Dann können wir ganz in Ruhe essen. Die Beiden schwingen sich auf ihr Laufrad und düsen über den Rasen. Keiner denkt sich was dabei. Alles ist gut. Die Kinder lachen fröhlich. Gerade wollte ich in meine Wurst beißen. Dann passierte, was nie hätte passieren dürfen.

Ein dumpfer Knall, ein schriller Schrei. Ich wusste gleich, dass es ernst ist. Ich ließ alles fallen und stürmte zu meinem Kind. Mir war schlecht, die Beine wurden weich, ich funktionierte. Blut lief aus der Nase. Dieses Bild verfolgt mich. Mein Baby, wie konnte das passieren? Ich nahm ihn auf den Arm und versuchte ihn zu trösten. Wir gingen rein und meine Schwägerin holte etwas zum kühlen. Ich setzte mich und nahm den Großen von meiner Schulter. Eine riesen Beule bildete sich auf seiner Stirn. Okay cool bleiben, tief durchatmen. In dem Moment war mir so schlecht, dass ich mich am liebsten übergeben hätte. Stark sein. Dem Kind Sicherheit geben. Was um mich herum passierte, kann ich gar nicht sagen. Ich hab meinem Mann gesagt, er möchte schnell unsere Sachen packen. Wir müssen los. Sofort.

Die Fahrt zurück war nicht mehr so entspannt. Unterwegs organisierten wir alles. Das Baby konnten wir nicht mit in die Notaufnahme nehmen. Das wollte ich nicht. Wir haben das Glück, dass unsere Eltern in der Nähe wohnten und so war es gar kein Problem eine Betreuung fürs Baby zu finden.

Schnell das Nötigste packen und los ins Krankenhaus. Dort angekommen ging alles schnell. Ein paar Untersuchungen und ab auf die Kinderintensivstation. Mein Großer war so tapfer. Tapferer als ich. Ich kämpfte mit den Tränen. Unser Kind musste da bleiben, 48 Stunden zur Überwachung. Ich war froh das sie ihn da behielten. Mein Mann blieb mit ihm da und ich fuhr nach Hause. Alleine. Als ich im Auto saß, brach es aus mir heraus. Große Tränen flossen mir übers Gesicht. Ich war fix und fertig, wütend. Wütend auf mich. Sehr wütend. Nur weil ich nicht aufgepasst habe, liegt mein Kind im Krankenhaus. Hätten wir ihm einen Helm aufgesetzt, so wie wir es immer machen, würde es ihm jetzt nicht so schlecht gehen. Diese Wut nagt noch immer an mir. Der Unfall ist jetzt 4 Tage her und ich bekomme es einfach nicht verarbeitet. Wir sind in der Pflicht auf unserer Kinder aufzupassen. Wir tragen die Verantwortung. Ich habe versagt. Ich weiß, Unfälle passieren. Er hätte genauso gut stolpern können… Ist er aber nicht. Er ist mit dem Laufrad gestürzt und hätte er einen Helm aufgehabt, wäre es vielleicht gar nicht so schlimm gewesen. Ja ich gebe mir die Schuld. Es ist ja auch meine Schuld.

Bisher habe ich Eltern die ihre Kinder ohne Helm fahren lassen immer verachtet und das mache ich auch immer noch. An dem Abend habe ich einfach nicht dran gedacht. Es kann so schnell etwas passieren. Setzt doch bitte euren Kindern einen Helm auf. Auch wenn sie nur im Garten fahren. Ich werde es tun. Dieser Fehler passiert mir nie wieder. Bei uns ist am Ende alles gut ausgegangen und wir sind mit einem riesen Schrecken davon gekommen. Dieses Gefühl möchte ich nie wieder spüren. Diese große Sorge um das eigene Kind.

Wir sind in der Pflicht auf unsere Kinder aufzupassen, sie zu beschützen, für sie zu Sorgen. Sie selbst können die Gefahr nicht einschätzen. Wir ja… meistens..

Auch wenn manche Kinder die Helme nicht so toll finden… Wer Laufrad, Fahrrad oder änliches fahren will, braucht einen Helm. Punkt.

Macht es euch fein. Mein schlechtes Gewissen und ich verziehen sich jetzt auf die Couch.

Ahoi

Kristin

 

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#workingmom

Anfang Mai feierte das Baby seinen ersten Geburtstag. Die Elternzeit ist vorbei und ich wollte wieder durchstarten. Wollte… So richtig komme ich nicht rein. Warum? Keine Ahnung… Der Große ist für 6 Stunden im Kindergarten und das Baby betreue ich bis September noch zu Hause. Jeden Morgen gibt es im Kindergarten ein großes Theater. Einer will nicht hin und einer will nicht wieder mit nach Hause. So verschieden sind die beiden 🙂 Verschiedener könnten sie gar nicht sein. Der Große ist sehr sensibel und der kleine? Der kleine ist wild. Sehr wild. Jeden Tag kommt eine Beule, ein blauer Fleck oder eine Schramme dazu. Er ist einfach nicht zu bremsen. Das ist wohl auch der Grund, warum es hier im Moment so ruhig ist. Mit seiner stürmischen Art und seinem wilden Entdeckerdrang ist es einfach nicht möglich zu arbeiten.

Wenn doch ein Auftrag genäht werden muss, verschiebe ich das gerne auf den Nachmittag, wenn mein liebster mir angetrauter Ehemann zu Hause ist. Dann schiebe ich die Kinder ab und genieße die Ruhe. Das Kindergeschrei wird vom Rattern meiner Nähmaschinen übertönt. Wenn das nicht reicht, drehe ich einfach die Musik etwas lauter. Sorry wenn du das liest… Irgendwie egoistisch oder? Mein Mann ist über neun Stunden aus dem Haus, kommt nach Hause und muss sich um die wilde Bande kümmern.

Traurig, dass einem der Wiedereinstieg ins Berufsleben so schwer gemacht wird. Habt oder hattet ihr auch so Probleme einen Krippenplatz oder ähnliches zu finden? Ich frage mich immer, wie alleinerziehende Muttis das machen? Was sagt der Arbeitgeber dazu, wenn man nicht nach einem bzw. zwei Jahren Elternzeit wieder anfangen kann? Ja sorry. Ich kann nicht im Mai anfangen zu arbeiten, ich habe keinen Betreuungsplatz. Da kann man doch gleich seine Kündigung abholen, oder? Ich dachte immer, jedem steht ein Betreuungsplatz zu? Wann? Jetzt? Unser Platz ist zwar genehmigt, aber die Gruppen sind voll. Wir stehen auf der Liste…. Liste.. Wenn ich das höre, platzt mir der Kragen. Steht ihr auch auf so einer Liste? Beim Großen standen wir fast drei Jahre auf verschiedenen Listen. Von einigen Kindergärten habe ich bis heute keine Antwort. Danke dafür. Danke Deutschland für dieses unvergessliche Erlebnis. Danke für nichts. Es könnte alles so einfach sein. Aber wir wären nicht in Deutschland, wenn es einfach wäre oder?

Naja, so lange die kleine Hummel noch zu Hause ist, wurschteln wir uns irgendwie durch. Es ist ja auch schön mit dem kleinen Chaoten zu Hause, aber ich merke einfach, dass er bereit ist. Er ist bereit für ein neues Abenteuer. Auch ich bin bereit für ein neues Abenteuer. Ich bin sehr bereit. Ich möchte wieder mit Erwachsenen sprechen. Mir fehlt einfach der soziale Kontakt zu Menschen, dir mir nicht mit „da“ antworten 😉 Im September werde ich dann sicher anders denken und sentimental sein. Sie werden doch einfach viel zu schnell groß.

Macht es euch fein. Hier ruft jetzt das Sofa.

Ahoi

Kristin

Warum denn?

Wir haben eine neue Stufe des Kleinkindalters erreicht! Wie ich das finde? Irgendwas zwischen purer Verzweiflung, am Rande des Wahnsinns, Belustigung und Stolz! Meistens aber am Rande des Wahnsinns.

Eine Frage kommt selten allein! So ist es. Wir spielen das Spiel bis mir die Worte fehlen. Das kommt selten vor, aber es geht.

Warum denn?

Heute Morgen wurde ich von meinem großen Kind liebevoll geweckt. Noch vor dem Klingeln des Weckers. Es war noch dunkel.. Die Nacht war bescheiden, dass Baby bekommt Zähne.. Mehr brauche ich glaub ich nicht erzählen. Ihr kennt es alle. Eine unzufriedene Grundstimmung durchzieht unseren Tag… und die Nacht… So also auch die letzte.

Der Große turnt neben mir im Bett und ist fröhlich. Ich eher grummelig. Ich bin kein Morgenmensch. Nicht viel sprechen einfach machen. Mensch bin ich erst nach dem Frühstück. Der Große rennt ins Wohnzimmer, holt sich seine geliebten Salzstangen und springt auf mir rum. So liebe ich es… nicht… 😉

Großer: „Mama stehst du jetzt auf?“

Ich: „Nein ich mag noch nicht!“

Großer: „Warum denn?“

NEEEEEIIIIIIN bitte nicht. Ich bin noch nicht bereit für ein Verhör.

Ich: „Ich bin noch müde!“

G: „Warum denn?“

I: „Ich bin zu spät ins Bett und habe nicht so gut geschlafen!“

Ich hoffe das seine Fragen alle beantwortet sind.

G: „Warum denn?“

Mhh also doch noch nicht alle beantwortet.

I: „Das Baby hat schlecht geschlafen, er bekommt Zähne und das tut weh!“

G: „Warum denn?“

Ich denke an Flucht. In Gedanken schwinge ich mich elegant wie Catwoman aus dem Fenster und verstecke mich im Gebüsch. Ich lache.

G: „Mama? Warum lachst du?“

I: „Nur so mein Schatz!“

G: „Mama? Stehst du jetzt auf?“

Das es langsam ungemütlich wird, mit den ganzen Krümeln im Bett, krieche ich heraus und trotte durch die Wohnung.

Bis zum Kindergarten habe ich glaube ich 2.745.189 Fragen beantwortet. Mal genervt und mal belustigt.

Irgendwie finde ich das Gefrage ganz spannend. In diesem Augenblick, wenn man diese Fragen beantwortet, fängt man an nachzudenken. Die Welt mit Kinderaugen sehen. Ich denke man übersieht im Alltag oft die kleinen Sachen. Man verpasst sie, weil man gehetzt ist. Man vergisst zu fragen und macht einfach. Warum nicht auch Sachen hinterfragen? Da kann man mal sehen, wie schlau diese kleinen Wesen sind und auf wie vielen verschiedenen Wegen sie ihre Welt kennnenlernen. Jeden Tag gehen wir an einem Busch mit Weidenkätzchen vorbei. Wäre mein Kind nicht, hätte ich ihn sicher nicht wahr genommen. Mit meinem Kind bleibe ich stehen. Beobachte, fasse an, erkläre, lebe. Jeden Tag ist es für uns beide ein Moment. Für den Großen die Veränderung des Busches und für mich die Fazination Kind. Ich möchte mehr Kind sein. Uneingenommener Blick auf die Dinge. Sich was trauen, mutig sein und auch die kleinen Dinge sehen. Den Alltag entschleunigen und den Tag mehr genießen. Jeder Tag ist wichtig.

Ich freue mich schon auf morgen. Morgen werde ich wieder Fragen beantworten und zusammen mit meinem großen Kind neue Dinge lernen.

Bis dahin genieße ich aber erstmal die Ruhe 🙂

Macht es euch fein.

Ahoi

Kristin

 

 

Schwarz oder weiß?

Das Leben in einer Welt voller Schwarzdenker ist nicht leicht, vor allem verstehe ich sie nicht. Immer vom Schlimmsten ausgehen, alles schlecht reden, unglücklich sein. Ich sehe darin keinen Sinn.

Wird man so geboren oder wird man so erzogen? Sicher ein Stück von beidem, oder? Ist es nicht einfacher, glücklich und zufrieden zu sein?  Es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, auch nicht bei einem Optimisten. Was man am Ende daraus macht, ist das Wichtigste. Ich war mal auf einem Seminar zum Thema „Motivation“. Zuerst habe ich mich gefühlt wie in einer Sekte. Der Redner auf dem Podest hat die Teilnehmer zum mitmachen animiert. Aufstehen, Sätze wiederholen.. Das volle Programm. Irgendwie kam ich mir etwas blöd vor, doch am Ende war ich zufrieden. Dieses Seminar ist nun schon ein paar Jahre her, doch ein Satz hat sich eingebrannt:

Alles ist gut so wie es ist.

Immer wenn es wieder etwas schwerer ist, kommt dieser Satz zurück in meine Gedanken. Nach einem Tief kommt auch wieder ein hoch. Nach dem Regen kommt die Sonne. Aus jedem Tief lerne ich. Nach jedem Tief fühle ich mich stärker. Wieder etwas geschafft. Wieder ein Tief überwunden.

Das Leben als Optimist ist nicht einfach. Oft zweifle ich an mir, ist mein Weg der Richtige? Ist es richtig optimistisch zu sein? Ist es naiv immer das Gute zu sehen? Manchmal bin ich müde, müde vom „Weißdenken“. Müde vom Überzeugen. Vom Überzeugen der „Schwarzdenker“. Ist es einfacher ein Optimist zu sein? Meiner Meinung nach nicht. Es ist viel Arbeit. Die Enttäuschung wenn es am Ende doch nicht klappt, ist natürlich größer, als wenn man gleich sagt, es klappt nicht. Aber auch durch Enttäuschungen kann man lernen. Schon oft habe ich versucht mich zu ändern. Nicht mehr so optimistisch zu sein, um am Ende eventuell doch nicht enttäuscht, traurig zu sein. Klappt nicht.

Warum ist es für andere Menschen so schwer glücklich und zufrieden zu sein? Warum kann man nicht zufrieden sein, mit dem was man hat? Sicher ist es wichtig sich Ziele zu setzen, aber bis man die erreicht hat, kann man doch glücklich sein. Oder nicht?

Ich kann mich nicht beschweren. Ich habe zwei tolle Räuber, meinen Mann, ein warmes zu Hause und immer was zu Essen in meinem Kühlschrank. Wir sind nicht reich und können auch nicht zweimal im Jahr in den Urlaub fahren. Will ich auch nicht. Wir haben doch uns. Das reicht mir. Das macht mich glücklich. Was bringt mir ein Berg Geld, wenn ich nicht glücklich und zufrieden bin? Gar nichts. Sind es materielle Dinge die uns glücklich machen?

Die Frage die ich mir immer stelle ist, wie möchte ich meine Kinder erziehen. Was möchte ich meinen Jungs mitgeben? Schwarz oder weiß? Für mich ist wichtig, dass sie selbstbewusst sind, dass sie sich akzeptieren wie sie sind, dass sie sich gut finden, dass sie sich wohl fühlen.So wie sie sind, sind sie perfekt. Ihr Räuber könnt alles schaffen was ihr wollt, auch wenn der Weg steinig ist. Ich möchte das sie glücklich sind. Das sie Sachen hinterfragen und immer auf ihren Bauch hören. Das sie sich nicht verbiegen lassen und stark sind.

Machen diese Eigenschaften einen Optimisten aus?

Die Welt braucht mehr Optimisten.

Macht es euch fein.

Ahoi

Kristin

Das große Backen…

Beim Stöbern durchs Netz habe ich ein Buch entdeckt.

Kinderleichte Becherküche- Für die Backprofis von morgen

Netter Titel dachte ich mir. Preislich ist das Buch nicht gerade ein Schnäppchen, aber die guten Bewertungen haben mich zum Kauf animiert. Mein Mann war nicht so begeistert wie ich, aber mein Verkaufstalent konnte ihn dann doch überzeugen. Naja vielleicht war es auch das Augenklimpern 😉

Gestern kam das Paket dann ins Haus geflattert. Da es gestern im Hause K. etwas turbulent zuging, haben der Große und ich es erst heute morgen ausgepackt und zusammen angesehen. Schnell war klar, dass wir Plätzchen backen. Meine Freude war nicht ganz so riesig wie die vom Großen. Plätzchen… In meinen Gedanken spielte ein Film ab. Mehl in der ganzen Wohnung, Dekorperlen im Teppich und alles klebt.

Na gut. Plätzchen sollten es also werden. Rann an die Becher und los. Ich hab dem Großen alle Zutaten hin gestellt und wir haben Schritt für Schritt das Rezept abgearbeitet.

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Im Buch enthalten sind zwölf Rezepte rund ums Thema Backen. Ob süß oder herzhaft es ist für jeden etwas dabei.

Viel Zeit zum Vorbereiten benötigt man nicht. Es kann sofort losgehen.

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Die Anleitung ist bebildert und sehr einfach gehalten.

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So ist es wirklich leicht, auch für kleine Hände 🙂

Noch die Eier in den Teig und dann kann geknetet werden. Beim Kneten brauchte mein Großer etwas Hilfe.

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Vorm Ausrollen musste ich erstmal etwas Platz schaffen und die Arbeitsfläche von Zucker und Mehl befreien.

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Wir waren bis dahin bestimmt eine halbe Stunde beschäftigt und der Große hat die Lust nicht verloren..

Beim Ausrollen vom Teig brauchte er wieder Hilfe. Das Austechen hat natürlich super geklappt 😉 Ein Stern der Große, 5 Kreise Mama….

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Jetzt warten….. Meine Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld. Also die Zeit nutzen und etwas Ordnung in das Chaos bringen.

Das Verzieren der Plätzchen haben wir uns für den Nachmittag aufgehoben.20170308_141226.jpg

Ohne Chaos geht es hier nicht. Die Perlen fliegen durch die ganze Wohnung und kleben an den Fingern, Strümpfen und eigentlich überall. Plätzchen backen ist so gar nicht meins. Ich hoffe der Große entscheidet sich das nächste Mal für eine Pizza.

Fazit: Theo mit seinen fast 4 Jahren kam mit der Anleitung gut zurecht. Er hatte Spaß daran, alles selbst zu machen. Ich habe mich extra im Hintergrund gehalten, um zu testen, ob Kinder in dem Alter es wirklich schaffen, alleine zu backen. Das Buch hält was es verspricht. Selbst Kinder die noch keine Rezepte lesen können, können mit diesem Buch alleine backen.

Wir hatten großen Spaß und werden das Buch bald wieder aus dem Regal holen.

Ich werd mir jetzt die restlichen Zuckerperlen aus dem Haar waschen und ein Plätzchen naschen.

Macht es euch fein!

Ahoi

Kristin

Hallo du kinderloser Mann!

 

Noch immer denke ich an unser Gespräch. Noch immer bin ich etwas verletzt und getroffen von deinen Aussagen.

„Du bist ja zu Hause, dass ist was anderes!“ Diese Aussage ist bei mir hängen geblieben und sie macht mich sauer. Vielleicht sollte ich dir mal erzählen, was eine Hausfrau und Mutter so zu tun hat. Ich glaube du hast ein falsches Bild von meinem Leben. Wie sollst du es auch verstehen? Außer um dich selbst musst du dich um nichts kümmern. Wir führen zwei unterschiedliche Leben. Unterschiedlicher könnten sie gar nicht sein. Trotzdem beschwerst du dich über Sachen, die ich schon erledigt habe, bevor du aufgestanden bist.  Du gehst 8 Stunden arbeiten. Bei mir sind es 24 Stunden. 24 Stunden voller Abreit, Liebe und wenig Pausen. Mein Tag startet nicht mit dem Wecker oder wann ich das will, sondern wenn mein Kind ausgeschlafen hat. Diese Zeiten variieren. Mal ist es um 5, mal ist es um 7 und wenn es richtig gut läuft, dann ist es um 8. Dann muss ich da sein. Sofort ansprechbar, sofort wach. Ich kann dir sagen, morgens um 5 einen Drachen basteln macht mir auch keinen Spaß, aber ich mache es. Sogar mit einem Lächeln im Gesicht. Bevor ich gefrühstückt habe, habe ich mir das Bad mit einem Baby und einem Kleinkind geteilt. Wärend ich auf der Toilette sitze, räumt das Baby den Badschrank aus und freut sich über eine Packung Wattestäbchen. Der Große verteilt derzeit die Zahnpasta übers Waschbecken. Alleine die Zahnbürste treffen, ist auch wirklich schwer. Richtig wach bin ich noch immer nicht. Mein Bett ist bestimmt noch warm. Nach dem Frühstück müssen drei Leute angezogen werden. Wärend ich das Baby anziehe, versucht der Große es alleine. Mit viel Geduld versucht er sich die Kniestrümpfe anzuziehen. Dieses Gefühl, wenn dein Kind etwas alleine schafft und stolz auf sich ist, ist unbeschreiblich. Wärme umspielt mein Herz. Den Pullover richtig rum anziehen ist nicht einfach. Wärend ich das robbende Baby schon 5 mal eingefangen habe, um es anzuziehen, navigiere ich den Großen in seinen Pullover. Ich selbst? Ich bin noch im Schlafanzug. Wenn endlich alle angezogen sind, geht es los. Der Große geht in den Kindergarten. Beide Kinder sitzen im Auto. Hörst du das? Kurze Stille. Ich atme einmal tief durch . Diese Ruhe ist himmlisch. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigt mir, dass wir spät dran sind. Also bleibt es bei einmal tief durchatmen. Also rein ins Auto. Schräge Kinderstimmen tönen aus den Boxen. Natürlich hören wir Kindermusik im Auto. Ich liebe es…. nicht…. Aber bevor es wieder diskusionen oder Tränen gibt, füge ich mich. Wärend du zur Arbeit fährst, fahre ich einkaufen. Es steht nicht viel auf meinem Zettel. Was muss, das muss. Das Baby ist nicht gut drauf. Es bekommt Zähne und das tut weh. Erledigt. Schnell nach Hause. Baby plus Einkauf müssen in die 2. Etage getragen werden. Ich bin fix und fertig und es ist gerad mal 10 Uhr. Ich schnalle mir das zahnende Baby auf den Rücken und kümmere mich um den Haushalt. Wäsche waschen und Staubsaugen stehen täglich auf meinem Plan. Wärend das Baby ein kurzes Schläfchen hält, kümmere ich mich um das Mittag. Du sitzt wahrscheinlich gerade mit deinen Kollegen in der Kantine und unterhälst dich. Ich habe bisher nicht ein Wort mit einem Menschen geredet der über drei Jahre alt ist. Wenn ich Glück habe, schaffe ich es in Ruhe zu essen. Soll ich dir was sagen? Ich genieße heimlich mein Mittag auf dem Sofa. Vor dem Fernseher. Denn das sind meine 30 Minuten Pause. Da tue ich nichts und sammle Energie für den Rest des Tages. Denn so geht es weiter. Am Nachmittag, stehe ich mir die Beine in den Bauch, wärend der Große auf dem Spielplatz spielt, schaue eine Kinderserie, liege lang auf dem Boden und werde unsanft untersucht. Wir kämpfen mit Schwertern und toben durch die ganze Wohnung. Nach dem Abendessen geht es noch in die Wanne und dann gehen die Kinder ins Bett. Wenn alles gut läuft, schlafen die Kinder um 20.00 Uhr. Für mich ist dann aber noch nicht Feierabend. Ich kümmere mich um den Abwasch und plane den nächsten Tag. Wenn es die Zeit und meine Kraft zulässt, gehe ich meinem Hobby nach. Um zehn falle ich ins Bett und genieße die Ruhe. Ich hoffe das es eine ruhige Nacht wird. Manchmal stehe ich Nachts auf, weil ein Kind mich braucht. Ich wechsle Nachts Windeln, begleite den Großen auf die Toilette oder streichle meinem Kind über den Kopf, weil es schlecht geträumt hat. Genau wie das Bad, teile ich auch ab und zu mein Bett mit den Kindern. Weißt du was? Ich mache das gerne. Jeden Tag. Warum? Weil ich es mir so ausgesucht habe. Weil ich meine Kinder liebe.

Wie war denn dein Tag? Was hast du schönes gemacht?

Ich wünsche dir ein schönes Leben und ich hoffe, dass du irgendwann nicht mehr dieser kinderlose Mann bist. Vielleicht überdenkst du dann deine Aussagen. Dann weißt du, dass es auch arbeit sein kann, wenn man zu Hause ist.

Bis dahin genieße dein Leben wie es ist. Tue das, was du möchtest, nur urteile nicht über mein Leben.

Ahoi

Kristin

Der Verfall beginnt!

Na toll. Jetzt kann ich es wohl nicht mehr aufhalten und auch nicht mehr leugnen. Ich bin keine 20 mehr, auch keine 25, nein ich bin fast 30!

Am letzten Wochenende habe ich mein erstes graues Haar entdeckt. Meine Farbe ist alle 🙂 Während ich hier mit frisch gefärbten Haaren sitze, denke ich übers Leben und Altwerden nach. Ich weiß, 30 ist kein alter, aber Berg auf geht es jetzt auch nicht mehr, oder?

Ich fühle mich noch gar nicht wie 29. Wie fühlt man sich eigentlich mit 29? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich nicht meinem Alter entspreche. Ich bin weit weg vom“erwachsen“ sein. Ein 10 Jahres Plan habe ich auch nicht. Wo wir nächstes Jahr stehen, keine Ahnung. Ich lebe im Jetzt. Ich möchte jetzt glücklich sein. Was morgen ist, sehe ich dann. Ist es gut, nur an heute zu denken und nicht zu planen? Sicher plane ich auch. Als Mutter muss man wohl ein wenig planen. Meistens plane ich aber nur die Termine für die Familie. Und was ist mit mir? Sollte ich eventuell auch mal für mich planen? Bis jetzt habe ich mir da gar keine Gedanken gemacht und alles so laufen lassen. In letzter Zeit fange ich aber an, über mich und mein Verhalten nach zu denken. Ich fange an mich und meine Entscheidungen zu hinterfragen. Denke viel. Zweifle, verzweifle. Geht mein Leben in die richtige Richtung? Mag ich es wie es ist? Soll sich etwas ändern? Gerade genieße ich die Zeit. Die Zeit mit dem Baby zu Hause und die Zeit mit dem Großen. Nur Zeit für uns. Keine Termine, keine Arbeit. Ich habe mein Gewerbe kurz vor der Geburt vom Baby abgemeldet. Ob ich es wieder anmelde, weiß ich nicht. Soll ich oder soll ich nicht? Mein Mann steht ganz hinter mir und überlässt mir die Entscheidung. Hach ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob ich das wieder möchte. Den Streß, den Druck, die Angst. Die Angst nicht genug zu verdienen, um am Ende des Monats Wurst im Kühlschrank zu haben.

Also was nun? Ab September haben wir einen Platz fürs Baby. So lange habe ich Zeit mir was zu überlegen. Jobsuche mit zwei Kindern ist sicher nicht einfach. Irgendwie wird es schon weiter gehen. So lange genieße ich einfach die freie Zeit mit meinen Jungs.

Während ich diesen Beitrag schreibe, merke ich, dass es doch nicht ganz ohne Planen geht. Bin ich etwa doch auf dem Weg erwachsen zu werden? Die wilde Kristin, die ich noch mit Anfang 20 war gibt es nicht mehr… Zwar bin ich noch immer wild, aber nur mit angezogener Handbremse. Noch immer gehe ich gerne auf Punk-Konzerte und noch immer trage ich mein Piercing. Tattoos sind auch ein paar neue in Planung.

Lieber tätowiert als zukunftsorientiert!

Diesen Spruch habe ich auf Instagram gelesen und fand ihn sehr witzig und irgendwie auch passend.

Doch darf ich als Mutter so denken? Was bleibt von einem selbst übrig, wenn man Kinder bekommt? Ich liebe es Mutter zu sein und ich bereue nichts. Doch viel von mir ist nicht übrig. Dieses „frei“ sein fehlt mir. Frei und spontan. Bis spät in der Nacht wach sein, aufstehen wann ich will. Nach dem Frühstück noch einmal schlafen. Zeit! Nicht auf die Uhr gucken. LEBEN. Zeit für mich. Aus Zeit für mich, ist Zeit für uns geworden. Zeit für uns. Zack da ist es wieder. Das schlechte Gewissen, weil ich so denke. Ist es egoistisch so zu denken? Nein ich möchte die Zeit nicht umkehren. Ich liebe es wie es jetzt ist. Nur ab und zu möchte ich ausbrechen und frei sein. Nur für mich. Ohne Sorgen, ohne Ängste, ohne Verpflichtungen.

In 30 Jahren, wenn meine Enkel um mich rum tanzen, werde ich an diesen Text zurück denken und drüber lachen. Vielleicht habe ich es bis dahin auch geschafft erwachsen zu sein. Oder auch nicht 🙂

Bis dahin lebe ich mein Leben und genieße jeden Tag wie er ist.

Macht es euch fein.

Ahoi

Kristin

 

Ein Arzt dem die Frauen vertrauen.

Ein Kind wird geboren und man steht vor einer großen Entscheidung. Die Wahl des Kinderarztes steht an.

Ich hatte als Kind eine tolle Ärztin und war bis ich 19 Jahre alt war bei ihr. In der Praxis habe ich mich gut aufgehoben und verstanden gefühlt. So sollte es auch für den Großen sein. Für mich war immer klar, wenn ich einmal ein Kind bekomme, gehen wir auch in diese Praxis. Kurz nach der Geburt vom Großen, stand die erste Untersuchung beim Arzt an und wir machten einen Termin in der Praxis. Vor diesem Termin war ich sehr aufgeregt. Ich kannte die  Ärztin fast 20 Jahre und nun sollte sie auch mein Kind behandeln. Der erste Termin verging und irgendwie war es anders. Wir wurden schnell abgespeist und auf unsere Fragen wurde kaum eingegangen. Naja gut, geben wir dem ganzen noch einmal eine Chance. Beim nächsten Termin stand ich heulend vor ihr, weil ich nicht mehr weiter wußte. Der Große hat viel geschrien und ich konnte ihn nicht beruhigen. Nach einer kurzen Untersuchung, meinte sie, dass es einfach sein Temperament ist. Ich war fix und fertig, weil sie uns nicht weiter geholfen hat. Gut das ich zu diesem Zeitpunkt eine gute Hebamme hatte. Sie schickte uns zu einem erfahrenen Osteophaten, der unseren Großen behandelte.

Er verschrieb uns Physiotherapie und schickte uns zu einer Therapeutin im Ort. Gott war ich froh, dass wir endlich Hilfe bekamen. Ein Termin für die Pflichtuntersuchung stand an. Ich legte ihr die Befunde vor und sie viel aus allen Wolken und wurde sauer. Was ich denn für einen Aufriss mache, dass Kind hat doch nichts und ist „altersgerecht entwickelt“. Jedes Kind was nur 2 Minuten untersucht wird, ist „altersgerecht entwickelt“!!! Das brachte das Faß zum überlaufen und an dieser Stelle entschied ich mich, den Arzt zu wechseln. Ich ärgere mich bis heute, dass wir das nicht schon viel früher gemacht haben. Ich hatte einfach nicht den Arsch in der Hose, um zu gehen. In den fast vier Jahren Kind ist mein Selbstvertrauen um einiges gewachsen. Für meine Kinder kämpfe ich. Für die beiden krieche ich aus meinem Schneckenhaus und sage nicht mehr zu allem ja. Es war ein langsamer Prozess. Es hat gedauert, bis ich stark genug war, um meine Sachen zu packen. Nun standen wir da. Kein Kinderarzt mehr. Es war ein gutes Gefühl.  Also machten wir uns auf die Suche nach einem neuen Arzt und wir haben ihn gefunden. Den Arzt dem die Frauen vertrauen. Ein Arzt der auf die Kinder und auf die Sorgen der Eltern eingeht. Unser neuer Kinderarzt ist noch recht jung und bringt frischen Wind mit. Andere Ansätze und andere Ansichten. Perfekt. Heute waren wir wieder bei unserem Kinderarzt und wir sind mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen. Dafür lohnt sich auch die lange Wartezeit. Jetzt weiß ich, wie es ist, einen guten Arzt zu haben.

 

Was ich damit sagen will: Mädels seid stark. Glaubt an euch und hört auf euer Bauchgefühl! Springt über euren Schatten und fordert was ihr braucht. Es ist schwer, aber man wächst mit der Zeit. Fangt an zu hinterfragen und schluckt nicht alles runter. Man darf auch mal NEIN sagen!

Ich wünsche euch einen schönen Abend.

Ahoi

Kristin

 

Familienplanung abgeschlossen?!

Kann man mit 29 Jahren sagen die Familienplanung ist abgeschlossen? Zwei Kinder, oder doch drei? Das Herz sagt drei Kinder, der Kopf schreit: „HALT STOOOOOOOPPPPPP“

Die Feiertage sind vorbei und so langsam kehrt der Alltag und auch die Ruhe wieder ein. Der Große ist im Kindergarten und das Baby schläft. Ich durchstöbere mein Handy, denn ich liege faul auf der Couch. Erst die Galerie, dann werden ein paar Spiele gespielt und dann leuchtet da so ein kleines rosa Büchlein. Mein Periodenkalender…. Moment….. Da war ja noch was. In Gedanken fange ich schon mal an zu rechnen und ein ungutes Gefühl steigt in mir auf. App öffnen… öffnen…öffnen… Zack da steht es… 12 Tage überfällig… ZWÖLF… Eine eins und eine zwei… 12!!! Ohweia.. Meine Gedanken überschlagen sich… Ich rechne im Kopf noch einmal nach. -5+6 drei im Sinn, 7 gemerkt… Egal wie ich rechne die 12 bleibt stehen. Ach du scheiße… Irgendwie sitzt sich das gar nicht mehr so gut auf der Couch. Tief durch atmen und in Ruhe nachdenken. So war der Plan. Das Baby ist nicht mal 8 Monate alt und so schnell wollten wir uns eigentlich keine Gedanken über Zuwachs machen. Nun mußten wir aber. Bleibt uns ja nichts anderes übrig.  Was ist, wenn es wirklich so ist? Schön wäre es schon, Platz hätten wir auch. Was wir nicht haben ist genug Geld. Sicher würde es reichen, um über die Runden zu kommen, aber wir müssten uns stark einschränken. Toastbrot und abgepackte Wurst zum Ende des Monats… Ein neues Auto müsste her. Unser jetziges ist zu klein, um drei Kinder unterzubringen. Oh man mir geht ganz schön die Düse… Ein drittes Kind kommt nicht in Frage. Zumindestens jetzt nicht. Ich würde mich also gegen dieses Kind entscheiden. Auch wenn ich diesen Gedanken schrecklich finde.

Also los gehts. Test kaufen und drauf pinkeln…… Warten….. 3 Minuten…. Der Große und das Baby waren Wunschkinder und geplant. Da war das Gefühl, als ich den Streifen in den Becher hielt anders. Freudig, aufgeregt. Aufgeregt war ich diesmal auch, aber ich hatte Angst…. Totale Panik… Alleine der Gedanke am nächsten Tag beim Arzt anzurufen, um einen Termin zu machen.. Ich wollte gar nicht weiter drüber nachdenken…

Da war er… Ein Strich…. Ein einzelner Strich. Ganz dick und in einer wunderschönen Farbe. NICHT SCHWANGER!!! Gott sei Dank. Wir wären absolut nicht bereit für ein drittes Kind 🙂

Die Erleichterung über diesen dicken Strich hat mir gezeigt, dass ich wirklich erstmal kein drittes Kind möchte. Irgendwann vielleicht mal, aber nicht jetzt.

Also muss sich etwas tun. Mein Mann und ich haben uns also hin gesetzt und über verschiedene Verhütungsmethoden geredet. Vasektomie. Mhh irgendwie so endgültig. Hormone möchte ich auch nicht, also fällt Pille und Co aus. Ich überlege mir eine Kupferspirale einsetzten zu lassen. Mein Hormonhaushalt und Eisprung werden nicht beeinflusst und das ist mir wichtig. Keine zusätzlichen Hormone und trotzdem sicher. Die nächsten Tage werde ich wohl mal einen Termin bei meiner Ärztin machen.

Ich sag euch.. Unser Jahr 2017 fängt spannend an. Ich bin gespannt was noch so kommt. Auf jeden Fall kein Geschwisterchen für meine Jungs 🙂

Die Couch ruft.

Ahoi

Kristin

Über Menschen die kommen und gehen.

Das erste Kind wird geboren und auf einmal sind sie fast alle weg. Spätestens nach dem zweiten Kind bleibt nur noch eine Hand voll übrig. Wenn überhaupt so viele.

Freunde

Früher war man jedes Wochenende unterwegs oder man hat auch in der Woche mal spontan was unternommen. Wenn man als erstes im Freundeskreis ein Baby bekommt, hat man verloren. Es ist ein schleichender Prozess, aber jetzt nach über drei Jahren Mutter ist es ganz eindeutig. Sie sind weg. Ganz weg. Die Treffen werden seltener, ab und zu gibt es eine Nachricht und irgendwann kommt gar nichts mehr. Funkstille. Ich hab das verarbeiten des Verlustes mal in drei Phasen aufgeteilt:

Phase 1- Trauer

Man ist traurig das jetzt „Schluss“ ist, dass man gar nichts mehr vom anderen weiß. Jeder führt sein eigenes Leben. Oft wird über vergangene Tage nachgedacht. Wie viel Spaß man doch zusammen hatte und was man alles zusammen erlebt hat.

Phase 2- Wut

Es wir ein Schuldiger gesucht und das Gefühl von Wut steigt in einem auf. Natürlich ist man selbst nicht Schuld an dieser Situation. Es werden noch ab und zu ein paar gezwungene Worte ausgetauscht. „Wie gehts euch?“ „Ja danke gut“ Und tschüss. Das wars.

Phase 3- Vergessen

In der letzten Phase versucht man die Wut zu vergessen und entwickelt Verständnis. Wir hatten ja wirklich wenig Zeit und man kann sich ja auch nicht immer nach uns richten.

 

Derzeit befinden wir uns zwischen Phase 2 und 3. Die Wut ist fast verflogen und wir versuchen zu vergessen. Wir sind nicht mehr traurig, wenn wir an die Zeit von früher denken. Eher glücklich. Es war eine tolle Zeit und es hat Spaß gemacht. Dieses Kapitel von unserem Leben ist abgeschlossen. Wir sind nicht mehr wütend auf die Menschen, die uns verlassen haben. Es ist wie es ist. Wir sehen nach vorne.

Doch wie geht es weiter? Die Kinder werden größer und verbringen die Nächte auch mal bei Oma. Immer nur als Paar ausgehen, ist auch öde, oder? Doch wie stellt man das an? Wie findet man neue Freunde? Mit gleichen Interessen. Das wäre super. Es ist ja nicht so, dass wir ganz alleine sind. Wir haben Freunde für den Spielplatz, Freunde fürs Kino und und und. Es ist aber nicht so wie früher. Super wäre ein Freund für alles. Gibt es Singlebörsen für Freunde? Aus verschiedenen Gesprächen weiß ich, dass wir mit diesem Problem nicht alleine da stehen. Wie wäre es mit einer Kontaktanzeige?

 

4 köpfige Familie sucht neue Freunde!

Auf diesem Wege suchen wir neue Freunde. Wir sind eine Familie mit zwei kleinen Jungs und suchen für verscheidene Aktivitäten Freunde.

Über uns: Wir sind beide 29 Jahre alt und mögen es eher gemütlich. Gerne holen wir Gesellschaftsspiele aus dem Schrank, wo uns aber mindestens ein Mitspieler fehlt. Wenn die Kinder schlafen, gucken wir gerne Serien oder Filme. Ab und zu gehen wir an den Wochenenden gerne in eine Bar oder in einem Restaurant essen. Mit den Kindern gehen wir gerne spazieren oder besuchen den Tierpark. Spontan sind wir durch die Kinder leider gar nicht mehr. Aktivitäten mit uns müssen im Vorfeld gut geplant werden und könnten trotzdem kurzfristig ausfallen.

Wenn ihr euch angesprochen fühlt und ihr nicht traurig seid, wenn wir einmal kurzfristig absagen da ein Kind krank ist, meldet euch doch einfach.

Ganz liebe Grüße Tino, Kristin, der Große und das Baby

 

So in etwa würde unsere Kontaktanzeige aussehen. Nicht spontan und kurzfristige Absagen machen die Suche sicher nicht einfach. Natürlich sucht man so keine neuen Freunde. Neue Freunde findet man im Leben. Auf dem Spielplatz, auf den Elternversammlungen, in der Kneipe. Doch dann steht man wieder vor Problemen. Die gleichen Interessen. Die Menschen die man in den Kneipen trifft, haben oft keine Kinder und somit wenig Verständnis für unsere Situation. Die Spielpaltzeltern mögen ja ganz nette Kinder haben, …… 🙂

Meine Mutter sagt immer: „Kind das ist so wenn man Erwachsen wird. Jeder geht seine eigenen Wege!“

Erwachsen werden? Ich????? Mhh das reden wir noch einmal drüber.

Ist nicht das Ende auch immer ein neuer Anfang? Ich bin mir sicher, es geht vielen Eltern so.

Aber eines darf man nicht vergessen: wir haben auch neue Freunde bekommen.

Unsere Kinder!

 

Wir gehen jetzt auf die Couch und gucken zu zweit einen Film 🙂

 

Ahoi

Kristin